Ratgeber
Angst vorm Zahnarzt: Was Sie tun können
Ein Zahnarzttermin löst bei vielen Menschen Unbehagen aus: trockener Mund, feuchte Hände, kreisende Gedanken.[2] Bei manchen ist die Angst so stark, dass sie Termine über Jahre aufschieben. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen Schritt für Schritt, was Sie selbst tun können und welche Hilfe Fachleute empfehlen.
Angst vor der Zahnbehandlung ist verbreitet
Eine gewisse Anspannung vor der Behandlung ist verständlich. Sie entsteht oft durch frühere unangenehme Erfahrungen, durch Erzählungen anderer oder durch das Gefühl, zu wenig Kontrolle zu haben.[2]
Fachleute unterscheiden zwischen allgemeiner Anspannung und einer Zahnbehandlungsangst mit Krankheitswert (oft Zahnbehandlungsphobie genannt). Laut S3-Leitlinie betrifft sie etwa 5 bis 10 Prozent der Bevölkerung; typisch ist, dass Betroffene die Behandlung meiden.[1] Die gute Nachricht: Für beide Formen gibt es erprobte Wege.
Der erste Termin: Schritt für Schritt
Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) gibt in ihrer Patienteninformation konkrete Tipps.[2] Daraus ergibt sich ein einfacher Plan:
- Praxis auswählen. Suchen Sie eine Praxis, die auf Angstpatienten eingestellt ist. Auf Zahnruhe sehen Sie, was Praxen dazu auf ihrer eigenen Website angeben, etwa Hypnose, Lachgas, Dämmerschlaf oder Vollnarkose.
- Begleitung organisieren. Bitten Sie eine vertraute Person, Sie zum Termin zu begleiten.[2]
- Angst gleich beim Anruf ansprechen. Sagen Sie schon bei der Terminvereinbarung, dass Sie große Angst vor der Behandlung haben. So kann das Team einen Termin ohne Zeitdruck einplanen und sich auf Sie einstellen.[2]
- Früh kommen, solange nichts weh tut. Ein Termin ohne akute Beschwerden lässt Raum für ein ruhiges Gespräch. Zunächst kann auch nur untersucht werden, ohne dass sofort behandelt wird.[2]
- Stoppzeichen vereinbaren. Verabreden Sie ein Handzeichen, mit dem Sie die Behandlung jederzeit unterbrechen können.[2] Das gibt Ihnen Kontrolle zurück, und genau dieses Gefühl der Kontrolle soll laut Leitlinie während der Behandlung gestärkt werden.[1]
Ein Gedanke zur Entlastung: Menschen mit Zahnarztangst schätzen den Zustand ihrer Zähne oft deutlich schlechter ein, als er tatsächlich ist.[2] Der erste Termin bringt deshalb häufig Erleichterung.
Was in der Praxis hilft
Was hilft, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Die DGZMK nennt als Beispiele entspannende Atemtechniken, eine gründliche Erklärung jedes Schritts und Pausen während der Behandlung.[2] Sprechen Sie offen an, was Ihnen guttut.
Gegen Schmerzen während der Behandlung wirkt die örtliche Betäubung. Die Leitlinie betont, dass bei ängstlichen Patienten auf eine ausreichende Betäubung geachtet werden soll.[1] Fragen Sie auch, ob ein Schmerzmittel direkt nach der Behandlung sinnvoll ist.[2]
Manche Praxen arbeiten mit zahnärztlicher Hypnose. Eine Liste von Zahnärztinnen und Zahnärzten mit dieser Zusatzausbildung bietet die Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH).[4] Die S3-Leitlinie bewertet die Studienlage zur Hypnose als schwach und empfiehlt sie nicht als Behandlung der Angst selbst.[1] Wenn Ihnen diese Form der Begleitung zusagt, sprechen Sie die Praxis gern darauf an.
Bei sehr großer Angst: Therapie als erste Wahl
Wenn die Angst so groß ist, dass Sie notwendige Behandlungen meiden, empfiehlt die S3-Leitlinie eine Zusammenarbeit von Zahnarztpraxis und Psychotherapie. Die Behandlung der ersten Wahl ist die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition, also einer schrittweisen, begleiteten Annäherung an die Behandlungssituation. Als zweite Wahl nennt die Leitlinie EMDR, eine Methode aus der Traumatherapie.[1]
So kommen Sie zu einem Termin:[3]
- Der Einstieg ist die psychotherapeutische Sprechstunde. Dort wird geklärt, ob eine Psychotherapie hilft und welche Methode zu Ihnen passt.
- Eine Überweisung brauchen Sie dafür nicht. Praxen in Ihrer Nähe finden Sie unter psychotherapiesuche.116117.de; Unterstützung bei der Terminsuche gibt es telefonisch unter 116117.
- Eine Kurz- oder Langzeittherapie wird bei der Krankenkasse beantragt. Ihre Psychotherapeutin oder Ihr Psychotherapeut hilft Ihnen beim Antrag.
Beruhigungsmittel, Lachgas, Dämmerschlaf und Vollnarkose
Steht eine dringende Behandlung an und ist eine Therapie zeitlich noch nicht möglich, können Medikamente helfen, die Behandlung angstärmer zu machen.[1] Die Zahnarztpraxis kann beruhigende und angstlösende Medikamente geben.[5] Laut S3-Leitlinie ist ein Beruhigungsmittel zum Einnehmen (ein Benzodiazepin) vor der Behandlung hier das Mittel der ersten Wahl, Lachgas die zweite Wahl und die Vollnarkose die dritte Wahl für begrenzte Ausnahmefälle.[1]
Wichtig zu wissen: Diese Verfahren ermöglichen die Behandlung, die Angst vor dem nächsten Termin bleibt dabei bestehen. Die Leitlinie empfiehlt sie deshalb für akuten Behandlungsbedarf und rät für die langfristige Besserung zur Therapie.[1][2]
Mehr zu den einzelnen Verfahren:
- Dämmerschlaf beim Zahnarzt: Ablauf, Sicherheit, Kosten
- Vollnarkose beim Zahnarzt: Kosten und Krankenkasse
- Alle Möglichkeiten kurz erklärt
Was zahlt die Krankenkasse?
Die psychotherapeutische Sprechstunde steht Ihnen als gesetzlich Versicherte oder Versicherter zu; eine anschließende Therapie wird bei der Krankenkasse beantragt.[3] Eine Vollnarkose übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung, wenn sie medizinisch notwendig ist. Dazu zählt auch eine ärztlich diagnostizierte Zahnbehandlungsphobie, wenn eine notwendige Behandlung unter örtlicher Betäubung nicht möglich ist.[5] Alle Einzelheiten finden Sie im Ratgeber zu Vollnarkose und Kosten und im Abschnitt Was zahlt die Kasse? auf der Startseite.
Ihr nächster Schritt
Ein guter Anfang ist eine Praxis, die sich Zeit nimmt. Auf Zahnruhe finden Sie Praxen, die nach eigenen Angaben auf Angstpatienten eingestellt sind. Wenn Sie mögen, lesen Sie vorher, wie andere ihre Angst erleben, und suchen Sie dann in Ruhe eine Praxis in Ihrer Nähe.
Eine passende Praxis in Ihrer Nähe finden
Geben Sie Ihren Ort oder Ihre Postleitzahl ein. Zahnruhe zeigt Ihnen Praxen, die nach eigenen Angaben auf Angstpatienten eingestellt sind, mit allen Angaben laut Praxis-Website.
Praxis in der Nähe finden Alle Orte
Ortsseiten: Berlin · Frankfurt am Main · Hamburg · Köln · München
Häufige Fragen
Wie sage ich der Praxis, dass ich Angst habe?
Am besten gleich bei der Terminvereinbarung, am Telefon oder per E-Mail. Ein Satz genügt, zum Beispiel: „Ich habe große Angst vor der Zahnbehandlung und wünsche mir einen ruhigen Termin mit Zeit für ein Gespräch.“ Die DGZMK empfiehlt genau das: Das Praxisteam kann dann einen passenden Termin ohne Zeitdruck finden und sich vorbereiten.
Was hilft langfristig gegen starke Zahnarztangst?
Laut S3-Leitlinie ist die kognitive Verhaltenstherapie mit Konfrontation (Exposition) die Behandlung der ersten Wahl, wenn die Angst Krankheitswert hat. Sie ist ein Verfahren der ambulanten Psychotherapie. Der Einstieg ist die psychotherapeutische Sprechstunde, für die Sie eine Überweisung nicht brauchen; Praxen finden Sie unter psychotherapiesuche.116117.de.
Ist eine Vollnarkose die Lösung bei großer Angst?
Eine Vollnarkose ermöglicht eine notwendige Behandlung, sie verändert die Angst selbst aber nicht. Die S3-Leitlinie sieht sie deshalb als Mittel der dritten Wahl für begrenzte Ausnahmefälle und empfiehlt, sie mit einer Therapie gegen die Angst zu verbinden.
Was tun, wenn ich lange nicht beim Zahnarzt war?
Vereinbaren Sie einen Termin, solange Sie keine akuten Beschwerden haben. Dann bleibt Zeit, alles in Ruhe zu besprechen, und es kann zunächst nur untersucht werden. Laut DGZMK schätzen Menschen mit Zahnarztangst den Zustand ihrer Zähne oft deutlich schlechter ein, als er tatsächlich ist.
Weitere Ratgeber
- Vollnarkose beim Zahnarzt: Kosten und KrankenkasseWann die gesetzliche Krankenkasse die Vollnarkose übernimmt, wer das Attest ausstellt und wie Sie die Kosten vorab klären.
- Dämmerschlaf beim Zahnarzt: Ablauf, Sicherheit, KostenWas beim Dämmerschlaf passiert, wie ein Termin abläuft, welche Sicherheitsregeln gelten und wann die Kasse zahlt.
Quellen
- DGZMK / AWMF: S3-Leitlinie „Zahnbehandlungsangst beim Erwachsenen“, AWMF-Register 083-020 (Stand 10/2019, in Überarbeitung) (öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK): Die Angst vor der Zahnbehandlung (Patienteninformation) (öffnet in neuem Tab)
- 116117 – Patientenservice der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV): Psychotherapie: So finden Sie Hilfe (öffnet in neuem Tab)
- Deutsche Gesellschaft für Zahnärztliche Hypnose (DGZH): Informationen für Patienten (öffnet in neuem Tab)
- Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV): Alternativen der örtlichen Betäubung (Patienteninformation) (öffnet in neuem Tab)
Alle Quellen abgerufen am 31.10.2026. Dieser Ratgeber erklärt allgemein, was Kammern, Fachgesellschaften und Leitlinien zum Thema sagen. Was für Sie persönlich passt, klären Sie am besten im Gespräch mit Ihrer Zahnärztin oder Ihrem Zahnarzt – nehmen Sie Ihre Fragen gern mit in die Praxis. Hinweise und Korrekturen nehmen wir gern über das Kontaktformular entgegen. Mehr zu unseren Gesundheitsinformationen